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GELENKSCHMERZEN

Der Bewegung sapparat des Menschen besteht aus Gelenk en, Knochen, Knorpel, Bänder, Muskeln und Sehnen. Gelenke haben die Aufgabe, Knoc hen untereinander beweglich zu verbinden.

Man unterscheidet:

  1. "unechte" Gelenk e (Syn arthrosen) und

  2. "echte" Gelenk e (Di arthrosen)

Bei den unechten Gelen ken sind zwei Knoc hen lediglich über ein bestimmtes Füllmaterial miteinander verbunden. Der Bewegung sumfang ist gering.
Beispiel: Bandscheiben verbinden die Wirbelkörper miteinander

Ein echtes Gelenk zeichnet sich dadurch aus, daß die Knoc hen durch einen Gelenk spalt voneinander getrennt sind.
In unserem Körper befinden sich verschiedene Gelenktypen. Alle besitzen jedoch folgende Strukturen:

Wenn Sie genaueres über den Aufbau der Gelenke erfahren möchten, so können wir Ihnen diese Internetadresse empfehlen: http://www.medizinfo.de/rheuma/anatomie/gelenke.htm

Nun aber zum eigentlichen Thema "Gelenkschmerzen"

Gelenkschmerzen können prinzipiell von jeder der genannten Gelenkstruktur ausgehen. Der besseren Übersicht wegen teilen wir die Gelenkschmerzen in zwei Gruppen auf:

1) Gelenkschmerzen, die auf eine Eigenerkrankung des betroffenen Gelenks zurückzuführen sind

Hier wäre an erster Stelle die Arthrose zu nennen, eine vorwiegend degenerative (= abnutzungsbedingte) Gelenkerkrankung, die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftritt. Das Risiko, eine Arthrose zu bekommen, ist sehr hoch, vor allem im Alter. Bei über 70-jährigen Menschen ist bereits zu 80% eine Arthrose vorhanden, während nur 4% der 20-jährigen eine Ar throse haben, Frauen sind häufiger betroffen.
Bei der sog. Arthrosis deformans (Arthropathia defor mans) bestehen chronische, schmerzhafte, zunehmend funktionsbehindernde Gelenkveränderungen infolge eines Mißverhältnisses von Tragfähigkeit und Belastungen. Betroffen sind vor allem das
Hüftgelenk und Kniegelenk .
Die Ausbildung einer Arthrose und der damit verbundenen Gelenkschmerzen kann durch mehrere Faktoren begünstigt werden. So z.B. Überlastungen (
Knie gelen ke beim Fliesenleger), Vorschädigungen infolge eines Unfalls oder auch eigenständige Gelenksentzündungen (Arthritis). Gelenkschmerzen sind häufig auch unfallbedingt, im Vordergrund stehen dabei Prellungen.

Eine weitere häufige Ursache für Gelenksschme rzen ist eine Gelenksentzündung, vom Mediziner als Art hritis bezeichnet. Eine ausführliche Darstellung dieser Schmerzursache finden Sie hier (einfach anklicken). Die Arthri tis als Systemerkrankung (z.B. Oligoarthritis, Po lyarthritis) im Gegensatz zur Monoarthritis wird weiter unten beschrieben.

Relativ häufig sind Kniegelenkschmerzen (sog. Gonalgie) nach Sportverletzungen, meist infolge einer Schädigung der Gelenkzwischenscheibe (Meniskus). 
Schultergelenkschmerzen können durch Verrenkung bzw. Ausrenkung entstehen. 
Eher selten können auch Tumore zu Gelenkschmerzen führen, meist gehen diese von der Innenhaut der Gelenkkapsel (Membrana synovialis) oder von der Gelenkkapsel selbst aus. 
An gutartigen Tumoren kommen vor: 

Bösartig ist das maligne Synovialom.

2) Gelenkschmerzen bei Gelenkentzündung (Arthritis) infolge einer Systemerkrankung

Meist sind dabei mehrere Gelen ke betroffen. In dieser Gruppe dürften rheumat ische bzw. rheumatoide (= rheumaähnliche) Ursachen dominieren. 
Bei der primär chronischen Polyarthritis (PcP), auch rheumatoide Arthritis oder Polyarthritis rheumatica genannt, handelt es sich um eine chronische, unterschiedlich fortschreitend verlaufende, entzündliche, destruierende
(= mit Zerstörung einhergehenden) Gelenkkrankheit mit Beteiligung aller Gelenkstrukturen. Es besteht eine Tendenz zur Bewegungseinschränkung bis zur Ankylosierung (= vollständige Gelenksteife), aber auch zum Stabilitätsverlust der Gelen ke, Beteiligung von
Sehnenscheide n (Tendosynovitis) und Sehnen mit entsprechenden Folgezuständen. Vor allem in Gelenknähe kommt es zu Bildung von Rheumaknoten unter der Haut. Typisch sind auch Muskel atrophien (= Verringerung der Muskelmasse), vor allem im Bereich des Hand rückens und der Oberschenkel
Es können auch Arterien befallen werden, die dann ebenfalls entzündlich reagieren (Vaskulitis). Selten sind auch Herz, Lungen und Augen beteiligt. 
Auch Stoffwechselerkrankungen können zu einer Arthritis und damit zu Gelenkschmerzen führen. Zu nennen wäre hier die Harnsäuregicht (Gicht-Arthritis, Arthritis urica). Davon sind hauptsächlich Groß
zehen grundgelenke Mittelfuß und Sprunggelenke betroffen
Im Jugendalter können Gelenkschmerzen im Rahmen einer systemischen juvenilen chronischen Arthritis (Still Syndrom) auftreten, eine meist symmetrisch verteilte Polyart hritis (= En tzündung in mehreren Gelen ken). Begleitende Krankheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie Lymphknotenschwellungen. 
Auch die Schuppenflechte (Psoriasis) kann zu Gelenkschmerzen führen. Bei der Psoriasis-Arthrits (Schuppenflechtenartthritis) handelt es sich um eine fortschreitende, gelenkzerstörende Erkrankung, bevorzugt an
Händen und Füßen.
Bei oder nach Infektionskrankheiten (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) kann es ebenfalls zu Gelenkschmerzen kommen, sog. parainfektiöse reaktive Arthritiden.

Die verschiedenen Formen von Gelenkenzündungen werden hier ausführlich dargestellt (einfach anklicken)

Behandlung:
Grundsätzlich gilt, daß durch eine geeignete Diagnostik (= Maßnahmen zur Erkennung von Kran kheiten) versucht werden muß, eine für die
Gelenkschmerzen ursächliche, spezifische Erkrankung zu entdecken. Gelingt dies, so muß diese zunächst kausal (= entsprechend dem Krankheitsbild) behandelt werden. 
Sind die Schme
rz en z. B. Folge eines bereits weitgehend zerstörten Gelenkes, so kommt eigentlich nur die operative Einpflanzung einer sog. Endoprothese in Frage. 
Bei einem rheumatisch bedingten
Gelen kschmerz
überläßt der Schmerztherapeut die medikamentös/ systemische Grundbehandlung dem erfahrenen Rheumatologen. Verbleiben nach einer krankheitsspezifischen Behandlung dennoch Gelenkschmerzen, so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei Dauerschmerzen praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordern.

  1. Information über die Erkrankung

  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Schmerzmittel, schmerzstillende Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)

  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. auch rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter   

  4. Akupunktur

  5. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)

  6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)

  7. Physiotherapie (Krankengymnastik und Anwendungen)

  8. Evtl. Diätetische Maßnahmen (z.B. bei der Harnsäuregicht)

Medikamentöse Behandlung:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften
Muskel verspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 
Manchmal sind aber
Gelenkschmerzen nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N® oder Morphin) (= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei chronischen
Sch merzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden, chronischen
Gelenkschmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden. Dabei werden die schmerzhaften Gelen ke wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär (= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert. 
Schmerzhafte Gelen ke können auch mit "Zeel" umspritzt werden, was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt. 
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte
Nerven - bzw. Leitungsblockaden in Frage, in hartnäckigen Fällen auch kontinuierlich mit Katheter*.

Ner ven und

 

 

 

 

 

Nervengeflechte:

           zugehörige Gelen ke:

 

Plexus brachialis:

Ellenbogen, Hand - und Fingergelenk e,

 

 

mit der retrograd hohen Variante oder interskalenär kann

 

 

auch das Schultergelenk erreicht werden

Plexus lumbalis (mittels

 

 

 

N. femoralis-Katheter):

Hüftgelenk

 

 

 

N. femoralis:

Kniegelenk

 

 

 

N. ischiadicus (Ischias):

Fußgelenk e

 

 

Grundsätzlich wird das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität (= u.a. Schmerzempfindung) betroffen ist, die Motorik (= Muskelfunktion) aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive, gelenkfunktionserhaltende sowie funktionsfördernde krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei einem stärkeren Schme rz durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) erst möglich werden. Diese Nervenblockaden haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. 
Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jedem entzündlich / degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung nicht nur symptomatisch (= nicht nur auf den Sch merz gerichtet), sondern bei entzündlichen, aber auch degenerativen Gelenkschmerzen auch kurativ (= heilend).

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schme rz gedächtnis zu löschen.  

Physikalische Therapie:
Auch eine Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem betroffenen Gelen k aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
Manche Patienten empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Gelenkschmerzen lindern. Auch die
Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann hilfreich sein.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Gelenkschmerzen
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten. Nahezu unverzichtbar ist bei Gelenkschmerzen aber die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.

Andere Therapiemaßnahmen: 
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur (Schmerzakupunktur) zur Behandlung chronischer Schme rz
en nicht unerwähnt bleiben. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bei einem anhaltenden Schme rz
ist auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

Wenn Gelenkschmerzen längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Aktualisiert: 10.09.2006 k u
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